Bewusstsein

Bewusstsein

Kennst du das Sprichwort „Warte nie, bis zu Zeit hast“? Hat was, oder? Wenn du darauf wartest, dass du Zeit hast, dann wird es nie geschehen. Zeit ist ein Luxusding geworden. Wer hat schon Zeit?

In meinem Leben ist vieles nicht so gekommen, wie ich es mir vorgestellt hatte: Das wilde Leben ist in ferne Weite gerückt, stattdessen regiert der kleinbürgerliche Alltag, eingeteilt in Kinder, Arbeit, vermeintliche Freizeit. Warum es nicht anders kam? Ja weil ich dazu keine Zeit hatte. Die Zeit war noch nicht reif.

Doch was ist passiert? Wie kam es dazu, dass ich heute in der Situation bin, in der ich bin? Warum handle ich nicht einfach?

Der Schlüssel liegt vielleicht im Bewusstsein. Bisher war ich mir noch nicht bewusst darüber, dass ich meine Bedürfnisse so weit hinten angestellt habe. Es waren viele Erlebnisse und Gespräche, die mich auf diesen Weg gebracht mich zu fragen, was ich eigentlich will. Es gab da gar keinen „Schlüsselmoment“, sondern es waren die vielen kleinen Momente der Unzufriedenheit, der Überlastung, des Genervt-Seins, die irgendwann dazu führten, dass ein Gefühl immer deutlicher wurde: Das Gefühl, dass etwas fehlte. Mir wurde immer klarer, dass ich so nicht den Rest meines Lebens verbringen möchte und ich so auch nicht glücklich werde. Alle meine Fähigkeiten, meine Interessen, meine Hobbys, meine Leidenschaft wurden schrittweise im Keim erstickt. Das so deutlich zu sehen war der erste Schritt mir bewusst zu machen, dass da etwas fehlt und ich etwas ändern muss. Natürlich war das nicht das erste Zeichen, es gab schon viele kleine Hinweise, doch wie es mit den Zeichen eben so ist: Man muss sie bewusst wahrnehmen.

#1: Fernweh

Wir haben Freunde, die gerne reisen und gerne unterwegs sind. An den ausgefallensten Orten der Welt. Und was sie dann immer machen: Sie laden zu Fotoabenden ein, wo dann schon eine fast professionelle Präsentation gezeigt wird mit traumhaften Fotos von Stränden, Wäldern, einsamen Waldhütten und großartigen Panoramen. So sehr ich mich für unsere Freunde auch freute, so versetzte es mir jedes Mal einen Stich ins Herz – das dürfte wohl keinem entgangen sein, denn getröstet wurde ich mit den Worten „Wenn die Kinder dann größer sind, habt ihr dann ja Zeit dazu. Es sind ja nur ein paar Jahre. Hab ich euch schon erzählt, wie……“. Ja, es sind nur ein paar Jahre, aber es sind sehr intensive Jahre, in denen man viele eigenen Bedürfnisse und Wünsche hinten anstellen muss, Jahre, in denen man ein fremdbestimmtes Leben führt, sich den Zeiten und dem Rhythmus des Kindes anpasst und natürlich gerne einen Ausgehabend nach 6 Monaten absagt, weil die Kinder genau dann krank werden. Es sind nur ein paar Jahre ist trügerisch – diese paar Jahre sind anstrengend, intensiv und die Momente für die eigene Interessen sind wenige. Bitte versteh mich nicht falsch, ich liebe meine Kinder und würde es in Hinblick auf die Familienplanung genau wieder so machen. Was ich aber nicht tun würde: Dass meine Vorstellungen und meine Erwartungen meinen Wünschen und Bedürfnissen im Wege stehen.

#2: Unsere Urlaube

„Es nicht so machen wie die Eltern“ war nicht nur bei der Lebensplanung, der Kindererziehung oder der Gestaltung des Alltags ein Thema, sondern auch  beim Urlauben. Immer nur in Österreich auf Urlaub? Appartement? Zwei Wochen im Sommer am See und eine Woche im Winter in den Bergen beim Skifahren? Nein danke. Wir werden uns nicht einschränken lassen, wir werden reisen. In ferne Länder. Wir werden fliegen, wir werden mit dem Nachtzug fahren, wir werden alles sein, nur nicht langweilig. Das war so vor etwa 10 Jahren die naive Vorstellung zweier Menschen, die gerade ihr erstes Kind erwarteten. Dann war K1 da und nichts kam so, wie wir es uns erwartet hätten. Unseren ersten Urlaub (ein Wochenendtrip ins Waldviertel) brachen wir nach einer Nacht und zahlreichen Beschwerden der anderen Hotelgäste über das nicht schlafende Kind ab. Unser zweiter Urlaub führte uns für eine Woche in ein Appartement an den Ossiachersee und es folgten jährliche zwei-wöchige Urlaube am Klopeinersee im Appartement mit immer denselben Ausflügen wie im letzten Jahr. Ironischerweise verbrachte ich schon  meine Urlaube als Kind am Klopeinersee und ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass es mir zum Hals raushing. Wir wurden genauso so, wie wir es nicht wollten. Wir saßen in der Falle.

Es gab noch weitere Zeichen, die immer wieder deutlich machten: Das ist doch nicht das, was du willst! Aber ich habe sie alle ignoriert. Ich habe nichts geändert und es vergingen die Jahre, bis wir heute dort sind, wo wir sind, bis ich plötzlich im Zug meines Lebens sitze und weiß, welche Schritte ich gehen muss, um wieder in Balance zu sein.

Doch wozu waren all die Umwege und die Zeichen gut? Haben sie mich nicht davon abgehalten, MEIN Ziel zu erreichen? Nein.

Ich glaube fest daran, dass es all diese Zeichen und Umwege braucht, um meine Bedürfnisse so genau vor mir zu sehen und zu wissen, was ich brauche.

Mein Tipp:

Formuliere so konkret wie möglich, was du verändern möchtest. Nur eine Sache. Nicht gleich „ich möchte mein Leben verändern“ – das ist zu unkonkret. Aber wie wäre es: Ich möchte an den Wochenenden mehr Reisen. Mindestens ein Mal im Monat. Oder: Nächstes Jahr möchte ich nach Barcelona. Oder: Ich werde meinen Job kündigen und mich nach neuen Möglichkeiten umschauen. Dann gehe es an und erfülle dir deinen Traum. Nimm DEIN Leben in die Hand!


Bild: (c) pexels.com

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