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Monats-Motto: Zuhören

„Beeil dich, wir müssen los.“

„Gleich, ich muss nur noch schnell den Geschirrspüler ausräumen.“

„Ich mache das noch fertig, dann können wir miteinander spielen.“

„Wie oft muss ich es denn noch sagen?“

„Warte kurz.“

In den letzten Wochen drehte sich alles darum, die vielen Aufgaben und Termine irgendwie zu erledigen. Von einer Schulaufführung zur nächsten, zum Weihnachtskonzert der Musikschule, zur Tanzaufführung in die Schule, zum Nikolosäckchen packen, zum Kekse backen, zur Adventfeier der Großeltern, die Weihnachtsfeier in der Arbeit, das Punschtrinken mit den Freunden, die Geschenke besorgen und bei dem ganzen Trubel auf nichts vergessen. Jeder einzelne Tag hatte viel zu wenige Stunden, um alles so schaffen zu können, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die letzten Wochen waren von einem vollgepackten Terminkalender, von elektronischen Erinnerungen und zahlreichen Nachrichten geprägt – obwohl ich versuchte, wirklich alles bestmöglich zu organisieren, schaffte ich es nicht.

Scheitern

Ich kam zur Aufführung in der Schule zu spät und erntete verachtende Blicke der anderen Eltern, ich vergaß eine weiße Bluse für die Vorführung in der Musikschule zu kaufen und wurde dafür mit abwertenden Blicken bestraft. Ich schickte die Großeltern zur Tanzaufführung, statt selbst hinzugehen und hatte das Gefühl, es nicht auf die Reihe zu kriegen. Scheinbar alle um mich herum schupften Kinder und Karriere besser als ich. Die Kekse verbrannten zwei Mal und die Kinder meinten, wir könnten auch einfach welche kaufen. Dabei wollte ich so gerne Kekse mit ihnen backen. Die Adventsfeiern verlegten wir auf den Vormittag, weil wir abends an jedem einzelnen Wochenende eingeladen waren und einfach keine Zeit dafür blieb. Stattdessen hetzte ich die Kinder durch die Weihnachtszeit. Weihnachtsstimmung kam dabei keine auf.

Andere Vorstellungen

Immer wieder gerieten unsere Vorstellungen aneinander. Die Stimmung kippte. Die Kinder zankten untereinander, sie schrien sich an, beschimpften sich als „blöde Kuh“ und riefen „du bist so gemein“. Das galt meistens mir. Alles war einfach ungerecht. Nicht passend. Doof. In meiner Blase bekam ich das Gefühl, es niemandem mehr Recht machen zu können.

Die Kinder zeigten mit deutlich, dass ihre Vorstellungen ganz andere waren. Weit entfernt von dem Perfektionismus, den ich versuchte an den Tag zu legen. Sie hätten eines gebraucht: Jemanden, der ihnen zuhört, sie wahrnimmt und auf sie eingeht. Die ganzen Temine und Verpflichtungen haben mich eines vergessen lassen: Darauf zu achten, was wir als Familie brauchen. Im hektischen Alltag blieb nur noch Zeit für „Tür und Angel“-Gespräche, doch der Kontakt, die Verbindung zwischen uns, wurde dünner. Wir unterhielten uns nur noch oberflächlich miteinander und wenn mir die Kinder von ihrem Tag erzählen, dann hörte ich nur noch mit einem Ohr zu.

Monats-Motto: Zuhören

Deswegen ist mein persönliches Monats-Motto: Zuhören. Gespräche brauchen Zeit. Wenn wir uns aufeinander einlassen wollen und einander achtsam begegnen, dann müssen einander auch zuhören. Aktiv. Es ist so wichtig, dass wir unsere Bedürfnisse und die der Kinder nicht aus den Augen verlieren, egal, wieviel wir rundherum erledigen müssen.

Ich habe in den letzten Wochen weder meine Bedürfnisse, noch die der Kinder geachtet. Mir fehlte die Zeit, in mich zu gehen und genau zu schauen, was ich brauche bzw. was ich liebe. Ich habe vergessen, auf meine innere Stimme zu achten. Ich möchte also wieder auf mich hören, auf meinen Körper, auf meine innere Stimme.

Genauso möchte ich aber auch hören, was mir meine Kinder und mein Partner sagen. Ich möchte ihnen mit Aufmerksamkeit begegnen, sie ausreden lassen und wirklich anwesend sein. Nicht nur mit einem Ohr, sondern mit beiden. Ich möchte wirklich zuhören. Aktiv. Ich möchte mein Tempo wieder nach den Kindern richten, statt sie durch den Tag zu hetzen. Ich möchte wieder entschleunigen.

Abschließen möchte ich mit einem Zitat, das ich mir einmal notierte:

„Nur wer innehalten und sich an den einfachen Dingen des Alltags erfreuen kann, lebt wirklich.“ (Rachel Macy Stafford)

P.S.: Mehr „Monats-Mottos“ findest du auf Sonjas „wertvoll-blog„!


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2 Gedanken zu “Monats-Motto: Zuhören

  1. Ich finde es so schade, dass die eigentlich besinnliche Vorweihnachtszeit zu so einem Gehetze geworden ist. Für mich könnten alle Advents- und Weihnachtsfeiern ausfallen, damit man als Familie (oder mit Freunden) mehr Zeit hat, sich abends zusammen zu kuscheln, singen, basteln, naschen, quatschen und Kerzen anzustarren. Das würde völlig ausreichen.
    Ich wünsche euch, dass ihr das im Januar alles nachholen könnt!
    Liebe Grüße und danke für deine ehrlichen Worte!
    Sonja

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    1. Ja Sonja, genauso geht es mir auch. Die Erwartungshaltungen rund um Weihnachten, das Streben nach Perfektion, dieses „magische“, das lässt uns vergessen, worauf es eigentlich ankommt: Auf die Zeit miteinander. Stattdessen ist es schon mehr wie ein Wettstreit, wer den schöneren Baum, das bessere Essen, die meisten Kekssorten etc. hat. Ich überlege schon, wie wir das nächstes Jahr besser machen können – besser im Sinne von: ruhiger, angenehmer, entschleunigter.
      Wenn du da Tipps hast, gerne! 🙂
      Liebe Grüße, Elli

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