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Ich habe keine Zeit

Kennst du es auch, dieses „Ich habe keine Zeit“-Phänomen? Keine Zeit für ein Treffen, keine Zeit für Sport, keine Zeit frisch zu kochen, keine Zeit für sich, ….- diese Liste kannst du nun beliebig für dich weiter fortsetzen.  Bestimmt jeder hat für irgendetwas keine Zeit. Doch hat es wirklich damit zu tun, dass man keine Zeit hat oder geht es darum, dass man sich keine Zeit nehmen möchte?

24 Stunden

Es ist doch so: Wir  alle haben dieselbe Zeit zur Verfügung. Niemand hat mehr oder weniger Zeit.

24 Stunden.

7 Tage die Woche.

Also 168 Stunden jede Woche.

Das ist eine Menge Zeit, oder?

Diese Zeit  haben wir alle.

Aber dennoch haben wir das Gefühl, keine Zeit zu haben. Statt zu sagen „Ich habe keine Zeit“, was einfach nicht stimmt, sollte man lieber sagen: Ich habe dafür keine Zeit. „Ich habe keine Zeit“ ist häufig kein  Problem des Zeitmanagements, sondern eine gut funktionierende Ausrede unserer Zeit und letztendlich auch Selbstbetrug. Es ist völliger Quatsch, denn jeder hat Zeit. Die Frage ist: Wofür nimmt man sich die Zeit? Oft verplant man sich die Zeit mit Dingen, die man möchte oder sollte. Da kann ein Habit Tracker hilfreich sein. Ja, manchmal  kann sogar bügeln oder Geschirr abwaschen uuuuunglaublich wichtig werden. Besonders wenig Zeit habe ich immer bei Elternsprechtagen in der Schule – da finden sich plötzlich viele andere Dinge, die ganz dringend erledigt werden müssen.

Priorität

Doch was möchte ich damit bewirken, wenn ich ständig sage, dass ich keine Zeit habe? Möchte ich, dass die anderen sehen wie toll ich bin, weil ich so viel Arbeit habe und damit Bewunderung ernte, wie ich Job und Familie unter einen Hut bekommen? Nein. Oder möchte ich Mitleid, weil ich keine Zeit für mich habe und der Spagat so unglaublich schwer fällt? Auch nicht.

Dann wurde mir klar: Ich will keines von beiden. Ich möchte kein Mitleid und auch keine Bewunderung. Das brauche ich nicht. Echte Zuneigung schaut anders aus. Ich will nicht mehr sagen, dass ich keine Zeit habe, sondern überdenken, was mir wirklich wichtig ist und das dann formulieren.

In Wahrheit geht es darum: Ich möchte mir für etwas oder jemanden keine Zeit nehmen. Es ist mir nicht wichtig genug. Oder ich habe Angst davor. Oder ich müsste meine Komfortzone verlassen. Ich schiebe es auf. Immer wieder. Oder es macht mir einfach keinen Spaß, so wie der Steuerausgleich. Dann belüge ich  mich selbst, schiebe die Aufgabe vor mir her und finde jede Menge Gründe und andere Beschäftigungen, die mich davon abhalten. In Wirklichkeit hätte ich nämlich genug Zeit dazu.

Statt einem Zeitproblem, haben wir ein Prioritätenproblem. Unser Leben besteht aus Prioritäten, die wir setzen – und weil wir sie selbst bestimmen, können wir sie auch selbst ändern. Das beginnt bei unserer Sprache und unseren Gedanken:

Statt zu sagen, dass man keine Zeit für ein Treffen hat, könnte man es auch so ausdrücken: „Heute geht sich das Treffen leider nicht aus, aber wie ist es am Donnerstag bei dir?“ Genauso geht es bei einem Telefonat. Nichts ist unangenehmer als neben drei Kindern, die dir aufgeregt von ihrem Tag in der Schule und im Kindergarten erzählen wollen, zu telefonieren. Ständig wird man unterbrochen, es quasselt wer dazwischen und man ist nur mit einem Ohr beim Gespräch. Zumindest geht es mir so. Wenn es ganz dringend ist, dann bitte ich auch schon mal die Kinder leise zu sein und gehe aus dem Zimmer, aber bei den meisten „Ich wollte nur mal fragen wie es dir geht“-Gesprächen ist die Dringlichkeit nicht gegeben – das Mitteilungsbedürfnis meiner Kinder hat dann Vorrang, wenn über „schön, cool, toll“ hinausgeht. Was kann ich also tun? Ich kann sagen, ich habe keine Zeit und das Gespräch wird auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben, oder ich sagen:  „Ich kann gerade nicht in Ruhe telefonieren – kann ich dich in zwei Stunden zurückrufen?“

Bei beiden Varianten zeige ich, dass es mir wichtig ist und ich eine Lösung finden möchte. Ich schiebe nicht mehr das „Ich habe keine Zeit“-Phänomen vor, sondern ich achte bewusst darauf, mir Zeit zu nehmen für die Dinge, die mir wichtig sind. Und wenn ich auf meine Bedürfnisse achte, sie erkenne und ernst nehme, dann merke ich schnell, was mir gut tut und was ich brauche, um zufrieden und glücklich zu sein. Die Frage ist immer nur: Wo setze ich meine Prioritäten?


Wie geht es dir damit? Wofür fehlt dir die Zeit? Wofür hättest du gerne mehr Zeit?

Bild: (c) pexels.com

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