wunderminuten

Wunderminuten: 9 Jahre

Heute ist ein besonderer Tag. Dein besonderer Tag. Unser besonderer Tag.

Dein Geburtstag.

Mein Mama-Geburtstag.

Heute vor neun Jahren hat sich mein Leben um 180 Grad verändert. Du hast alles verändert. Allem voran: Mich.

Es ist früh. Alle schlafen noch. Ich schleiche leise auf Zehenspitzen in dein Zimmer – so wie ich es noch vor wenigen Monaten umgekehrt gemacht habe. Da habe ich mich immer hinausgeschlichen, nachdem du eingeschlafen bist, um dich nicht noch einmal zu wecken. Heute bist du schon groß und brauchst meine Einschlafbegleitung nicht mehr. „Ich bin ja kein Baby mehr“ sagst du mir dann immer und verdrehst die Augen wenn ich dich frage, ob ich mich noch zu dir legen soll oder ob ich noch deine Hand halten soll, bis du eingeschlafen bist. Ja, es hat sich vieles verändert bei uns. Ich habe dich fast 8 Jahre lang in den Schlaf begleitet. Das war unser Ritual und ich merke, wie schwer es mir fällt, mich davon zu verabschieden. Es ist wieder etwas, das ich loslassen muss. Als Baby habe ich dich in den Schlaf gestillt oder dich in den Schlaf getragen, wenn du nachts aufgewacht bist, was ich da. Oft habe ich dich stundenlang durch die Wohnung getragen, begleitet vom sanften Kerzenschein. Es war anstrengend, aber auch schön. Als du älter wurdest, habe ich mich abends immer noch zu dir gelegt und dir Lieder vorgesungen, bis du eingeschlafen bist. Ich erinnere mich an Abende, da dauerte es lange, bis du zur Ruhe gefunden hast. Unruhig hast du dich von einer Seite auf die andere gewälzt oder musstest mir noch viele Geschichten von deinem Tag erzählen. Manchmal nervte es mich. Meine Ungeduld wuchs und ich hatte Angst, das würde sich nie ändern.

Doch es änderte sich.

Heute sage ich: Es änderte sich schneller, als mir lieb war. Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug. Heute freue ich mich darüber, wenn du mir deine Hand gibst beim Spazierengehen oder dich an mich kuschelst – du bist groß geworden und hast dich verändert. Du bist nicht mehr das kleine Baby, das sich im Tragetuch am wohlsten fühlte und ständig meine Nähe suchte – heute verbringst du die Nachmittage lieber  mit deinen Freunden und verkriechst dich abends noch in ein Buch. Heute brauchst du nicht mehr so viel Nähe. Manchmal lehnst du sie sogar ab und sagst mir, dass es ur peinlich ist, wenn ich dich vor deinen Freunden küsse. Du zeigst mir deine Grenzen und wir finden jeden Tag aufs Neue heraus, wie wir uns miteinander am wohlsten fühlen. Ich merke, dass du deinen Freiraum brauchst, um dich zu entfalten und deinen Weg zu gehen. Lange warst du in meinen Fußstapfen unterwegs, aber jetzt wird es Zeit, neue Wege zu gehen. So wie jedes Kind. Loslassen ist nicht einfach.

Und dann gibt es sie doch diese kleinen Momente, in denen du mich nahe bei dir haben möchtest: Manchmal lädst du mich unter deine Decke ein und dann lesen wir gemeinsam. Oder du sperrst dich mit mir im Bad ein, um ganz alleine mit mir zu sprechen. Oder wir gehen gemeinsam auf ein Eis oder spazieren im Schnee. Dann kuschelst du dich ganz fest an mich oder umarmst mich ganz fest. Das sind diese besonderen Momente, die ich mir heute mehr zu schätzen weiß, weil sie selten wurden. Unsere Beziehung hat sich verändert – aber unsere Verbundenheit nicht. Jene Momente, die mir früher oft zu viel wurden, dich mich auch manchmal überforderten, die ich einfach nicht mehr ertragen konnte, sind heute jene Momente, die ich so ganz besonders mit dir schätze.

Ich habe dir Wurzeln gegeben und du breitest nun langsam immer öfter deine Flügel aus. Wie ein kleiner Babyvogel verlässt du immer öfter dein Nest: Du gehst alleine in die Schule, alleine zum Bäcker, du kümmerst dich alleine um dein Zimmer, manchmal bekochst du uns auch alle, du schläfst am Wochenende bei einer Freundin. Ich merke, dass du Möglichkeiten brauchst, um deine Flügel auszubreiten. Du übst. Manchmal fällst du auch und dann sind meine Arme da, die dich auffangen, dich trösten und dich gerne unterstützen. Ich bin immer da. Ich vertraue dir. Ich habe dir alles mitgegeben, was ich konnte.

Ich lege mich noch ein paar Minuten zu dir. Ich höre dich atmen und spüre, wie du dich sanft an mich kuschelst. Deinen Arm legst du auf meinem Bauch ab. So wie früher. Da hast du dich nachts immer ganz eng an mich geschmiegt. So konntest du beruhigt schlafen. Da fühltest du dich sicher. Nahe an mir. Je älter du wurdest, desto weiter hast dich entfernt. Körperlich. Zuerst war es nur das Beistellbett, dann war es das Gitterbett, dann das eigene Zimmer und das eigene Bett. Heute bist du groß und selbstbewusst – du bist mutig, ehrgeizig, verrückt, lustig, hast ein großes Herz,  bist eine wunderbare Tochter und wunderbare Freundin. Ich bewundere dich. Es gibt so vieles, was ich von dir lernen kann. Auch über mich. Ich schaue dich an. Ich staune darüber, zu welch einem großartigen und einzigartigen Menschen du dich entwickelt hast. Bleib so, wie du bist und bleib deinem Weg treu. Sei glücklich in deinem Leben.

Ich schaue dich an und bewundere dich. Mein Kind. Ich liebe dich.

 

Happy Birthday!


Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade von Jeannine zum Thema „Wunderminuten mit dir“ – danke für diese wunderschöne Idee und ich freue mich auf viele berührende Beiträge und Artikel. Es gibt doch so viele Gründe, gerne Mama zu sein.

Foto: (c) pexels.com

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